Ernährung des Babys

Allergien vorbeugen

Baby

Schlafen und Essen

– das macht die ersten Lebenswochen des Neugeborenen aus.

Die ersten Lebenswochen und -monate, wenn das Neugeborene nach und nach Kontakt zur Umwelt aufnimmt, sind die nächste entscheidende Phase für die gesunde Entwicklung des Kindes. Daher sollten nun bestmögliche Bedingungen für den Säugling geschaffen werden. Dazu gehören u. a. Maßnahmen zur Vorbeugung von allergischen Erkrankungen. So sollte das Umfeld des Babys möglichst allergenarm gehalten werden, d. h., es dürfen weder Zigarettenrauch, sonstige Luftschadstoffe, Schimmelpilzsporen noch große Mengen an Hausstaub die Atemluft belasten. Ein Schwerpunkt der Allergieprävention liegt auch auf der Ernährung.

Leitlinien zur Allergieprävention

Auf Basis verschiedener wissenschaftlicher Studien haben Experten unterschiedlicher medizinischer Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Leitlinien zur Allergieprävention erarbeitet. Diese beinhalten u. a. konkrete Empfehlungen zur Ernährung des Babys im ersten Lebensjahr.

Muttermilch – die beste Vorbeugung

Verschiedene Studien bestätigen, dass Muttermilch sowohl aus ernährungsphysiologischer Sicht als auch zur Vorbeugung von allergischen Erkrankungen die ideale Ernährung in den ersten Lebensmonaten ist. Muttermilch ist in ihrer Zusammensetzung den entwicklungsspezifischen Bedürfnissen des Babys angepasst. Sie ist das einzige Nahrungsmittel, das körpereigenes Eiweiß enthält, gegen das keine Allergie entwickelt werden kann. Allerdings ist auch Muttermilch nicht völlig frei von Allergenen. Denn Spuren aller Lebensmittel, so auch Allergene, können aus der Nahrung der Mutter in die Milch übergehen. Dieser frühe Kontakt des Babys mit minimalen Mengen an Allergenen ist ein natürlicher Vorgang, der normalerweise dazu führt, dass sich das Immunsystem des Kindes langsam an fremde Eiweiße gewöhnt und diese zu tolerieren lernt.

Stillen

Stillen

Das erste Anlegen an der Brust sollte, wenn möglich, innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Geburt erfolgen. Häufigkeit, Zeitpunkt und Dauer des Stillens richten sich nach den Bedürfnissen des Babys. Bei zu geringer Gewichtszunahme oder Trinkschwäche sollte die Hebamme oder der Kinderarzt angesprochen werden.

Zusätzlich enthält die Muttermilch bestimmte Immunfaktoren, die den Aufbau des kindlichen Immunsystems unterstützen und die Ausreifung der Darmschleimhaut fördern. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Muttermilch äußerst günstig auf die Besiedlung der Darmflora auswirkt. Bei gestillten Babys entwickelt sich eine Darmflora mit einem hohen Anteil an gesundheitsfördernden Bifidusbakterien, die unter anderem die natürlichen Abwehrmechanismen des Darms verstärken.

Damit gilt Muttermilch als der optimale Schutz vor Krankheiten und Allergien. Kinderärzte und Allergologen raten daher, Säuglinge – wenn möglich – in den ersten vier bis sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Dies gilt insbesondere für Babys, die aus einer Familie mit erhöhtem Allergierisiko stammen.

Allergieschutz mit HA-Nahrung

Nicht allen Frauen ist es möglich, ausreichend zu stillen. In diesen Fällen wird empfohlen, allergiegefährdete Babys mindestens bis zum Alter von vier Monaten mit allergenarmer (hypoallergener) Säuglingsnahrung zu versorgen. Bei dieser auch als HA-Nahrung bezeichneten Säuglingsnahrung ist das enthaltene Milcheiweiß bereits aufgespalten, um so die Allergenität zu senken. Ganz entscheidend für die allergiepräventive Wirkung der HA-Nahrung ist dabei die Art der Zerkleinerung des Milcheiweißes, d. h., es muss an den richtigen Stellen aufgespalten werden. Hierin unterscheiden sich die verschiedenen HA-Nahrungen. Dadurch, so das Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen, ist auch der vorbeugende Effekt sehr unterschiedlich. Dies zeigt u. a. eine umfangreiche Vergleichsstudie verschiedener Hydrolysatnahrungen mit herkömmlicher Säuglingsmilchnahrung, die German Infant Nutritional Intervention Study, kurz: GINI-Studie.

Geprüfte HA-Nahrung – die GINI-Studie

Die GINI-Studie ist die wichtigste und weltweit größte Studie zur präventiven Wirkung von HA-Nahrungen bei allergiegefährdeten Babys. Diese durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Langzeit- Beobachtungsstudie wurde im Jahr 1995 gestartet. Sie sollte prüfen, welchen Einfluss unterschiedliche Hydrolysatnahrungen auf die Entwicklung einer Allergie haben. Da schon lange bekannt ist, dass Kinder aus einer Allergikerfamilie ein deutlich höheres Allergierisiko haben, wurden in die GINI-Studie nur Neugeborene einbezogen, die erblich vorbelastet waren. Um den allergiepräventiven Effekt verschiedener Säuglingsnahrungen zu testen und zu vergleichen, erhielten die allergiegefährdeten Babys – es nahmen damals 2 252 Neugeborene teil – entweder eine von drei Hydrolysatnahrungen oder eine Säuglingsnahrung mit intaktem Kuhmilcheiweiß. Die Nahrungen unterschieden sich hinsichtlich der Eiweißquellen (Kasein oder Molkenprotein) sowie in der Aufspaltung ihrer Eiweißbausteine (moderat oder stark hydrolysiert). Getestet wurden eine moderat und eine stark hydrolysierte HANahrung auf Molkebasis sowie eine stark hydrolysierte therapeutische Spezialnahrung auf Kaseinbasis.

Geprüfte und empfohlene HA-Nahrung zur Allergieprävention

Die GINI-Studie zeigt, dass der Grad der Eiweißaufspaltung kein Kriterium für eine bessere Allergieprävention zu sein scheint. Vielmehr kommt es auf das Eiweißhydrolysat, also die Aufspaltung an sich, an. Daher sollte für jedes Eiweißhydrolysat einer HA-Nahrung die allergiepräventive Wirkung in Studien belegt sein.

Die ersten Auswertungen der Studienergebnisse nach einem Jahr und nach drei Jahren ergaben, dass die Babys, die eine Hydrolysatnahrung erhalten haben, seltener eine Allergie entwickeln. Allerdings – und das ist eines der zentralen Ergebnisse – schnitten nicht alle Nahrungen gleich gut ab. Neben der stark hydrolysierten therapeutischen Spezialnahrung erwies sich die moderat hydrolysierte HA-Nahrung auf Molkebasis (BEBA HA) am wirksamsten. Babys, die diese HA-Nahrung erhalten hatten, erkrankten deutlich seltener an einer atopischen Dermatitis.

Mittlerweile sind aus den Babys von damals junge Erwachsene geworden. Die Langzeitbeobachtungen ihrer gesundheitlichen Entwicklung und die Auswertung der 15-Jahres-Ergebnisse zeigen, dass Kinder, die damals wissenschaftlich geprüfte Hydrolysatnahrung erhalten hatten, bis zum Alter von 15 Jahren davon profitieren. Sie leiden deutlich seltener an einer atopischen Dermatitis oder einem allergischen Schnupfen. Die Empfehlung lautet daher Kinder mit familiärer Allergiebelastung, die nicht oder nicht ausreichend gestillt werden, mit HA-Nahrung zu versorgen, deren Wirksamkeit in klinischen Studien bewiesen ist.

gini

Die 15-Jahres-Ergebnisse der GINI-Studie zeigen: Bei Kindern, die in den ersten 4 Lebensmonaten eine geeignete Hydrolysatnahrung bekommen hatten, ist das Risiko für eine atopische Dermatitis bis zum Alter von 15 Jahren um über 40 % reduziert. Das Risiko für eine Erkrankung an Heuschnupfen im Alter von 11-15 Jahren ist um über 30 % reduziert.

Nach Einschätzung von Experten ließen sich etwa 10 500 Neuerkrankungen an atopischer Dermatitis vermeiden, wenn allergiegefährdete Babys, die nicht gestillt werden, konsequent HA-Nahrung erhielten, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist. Die angenehme Begleiterscheinung einer solchen effektiven Vorbeugung: jährliche Kosteneinsparungen in Millionenhöhe.

Ernährung bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Viele Kinder leiden bereits im Säuglings- und Kleinkindalter an Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien. Studien weisen darauf hin, dass etwa zwei bis drei Prozent der Babys im ersten Lebensjahr an einer Kuhmilcheiweißallergie erkranken. Sie reagieren auf Milch und Milchprodukte u. a. mit Erbrechen, Durchfall, Hautekzemen oder Juckreiz. Auch bei neurodermitiskranken Kindern können Nahrungseiweiße einen Krankheitsschub auslösen.

Besteht der Verdacht auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, ist Folgendes zu beachten:

  • Suchen Sie einen Allergologen auf, damit eine gesicherte Diagnose gestellt wird.
  • Nehmen Sie eine Ernährungsberatung in Anspruch. Eigenmächtig durchgeführte Weglassdiäten können zu Mangelernährung und dadurch zu Entwicklungsstörungen führen.
  • Die zur Allergievorbeugung konzipierten HA-Nahrungen sind bei Nahrungsmittelallergien nicht geeignet. Ebenso wenig werden Säuglingsnahrungen auf Sojamilchbasis empfohlen.
  • Babys mit nachgewiesener Kuhmilcheiweißunverträglichkeit brauchen eine therapeutische Spezialnahrung, die üblicherweise vom Arzt verordnet wird.
  • Eine Kuhmilchallergie wächst sich häufig aus. Daher sollte der Allergietest regelmäßig wiederholt werden. Gegebenenfalls kann die erforderliche Diät beendet werden.
Einführung von Beikost

Das Baby wächst, wird nach und nach aktiver und damit steigt sein Energie- und Nährstoffbedarf. Irgendwann reichen Muttermilch und Säuglingsnahrungen allein nicht mehr aus, um das Kind optimal zu versorgen. Nach einhelligen Empfehlungen von Kinderärzten und Ernährungswissenschaftlern sollte nach dem vollendeten 4. Lebensmonat mit der Zufütterung von Beikost begonnen werden. Eine verzögerte Einführung der Beikost aus Gründen der Allergieprävention ist nicht angezeigt. Entscheidend für den Zeitpunkt ist vielmehr die individuelle Entwicklung des Babys. Es sollte in der Lage sein, seine Kopfhaltung zu kontrollieren, festere Nahrung nicht mehr im Reflex mit der Zunge aus dem Mund schieben, sondern schlucken und vom Löffel essen können.

Sinnvoll ist es, langsam mit der Einführung von Beikost zu beginnen und zunächst die Milchmahlzeit mittags und dann im 4-Wochen-Rhythmus je eine weitere Milchmahlzeit zugunsten von Brei zu ersetzen. Gestartet wird mit Brei aus Gemüse, Kartoffeln und Fleisch bzw. Fisch, als Nächstes kommen Milch-Getreide-Breie, anschließend Obst-Getreide-Breie hinzu. Dies gilt auch für Kinder mit erhöhtem Allergierisiko. Wie die Auswertung verschiedener Studien zeigt, hat das Meiden von Lebensmitteln, die besonders häufig Allergien auslösen, keinen schützenden Effekt. Man sollte deshalb den Kindern keinesfalls Produkte mit Eiern, Milch, Weizen oder Fisch vorenthalten. Lediglich Kuhmilch als Trinkmilch gehört erst nach dem ersten Lebensjahr auf den Speiseplan.

Eine gute Möglichkeit, Nahrungsmittel nach und nach einzuführen, bietet einfach zusammengesetzte Beikost z. B. aus dem Gläschen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Fertigprodukte aus nur wenigen Zutaten bestehen und auf Zucker, Süßungsmittel, Salz und Aromen verzichten.

Kontakt

Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V.
Heilsbachstr. 32
53123 Bonn
+49 228 / 3 67 91-0
+49 228 / 3 67 91-90
info@dha-allergien.de

Aktuelle Pressemeldung

Säuglingsmilch nicht selbst herstellen

Gefahr von Fehlernährung, Allergien und Infektionen

Bonn, 17.10.17 Ob Marmelade, Smoothie oder Kuchen: Selbermachen liegt im Trend. Wenn es um Säuglingsnahrung fürs Fläschchen geht, sollten Eltern allerdings die Finger davon lassen. Denn Säuglinge, die nicht gestillt werden können, brauchen eine Nahrung, die die strengen Anforderungen an Nährstoffzusammensetzung und Hygiene erfüllt. Bei erhöhtem Allergierisiko muss sie außerdem hypoallergen sein. Das kann nur industriell hergestellte Säuglingsnahrung leisten.

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